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Aus dem Ortsverband

Wir trauern um unsere Ehrenvorsitzende

Marlies Berndsen
gest. 13. Februar 2019


Mit ihrer herausragenden Persönlichkeit hat sie unseren Verband geprägt. In ihrer 34 jährigen Vorstandsarbeit, davon 14 Jahre als Vorsitzende des Deutschen Hausfrauen-Bundes, hat sie zukunftsweisende Weichen für unsere Arbeit gestellt. Ihr Name ist in unserer Stadtgesellschaft unmittelbar mit dem Deutschen Hausfrauen-Bund verbunden. Über ihren Tod sind wir sehr traurig, aber wir sind auch dankbar dafür, dass sie in unserer Mitte war.
Sie war einzigartig – wir werden sie nicht vergessen.

Meine erste Begegnung mit Marlies Berndsen fand vor 30 Jahren im Bauausschuss der Dortmunder Frauenverbände statt. Ich erinnere mich, wie sie sich argumentativ sicher und vehement für frauenfreundliche Stadtplanung einsetzte. Das gefiel mir. Ich erkannte hier, dass Ihr Engagement, sich für Frauenbelange stark zu machen und frauenpolitische Ziele zu verfolgen, weit über das hinausging, was sich Laien unter der Arbeit eines Hausfrauen-Bundes vorstellen.
Für den Bestand und Erfolg „ihres“ Hausfrauen-Bundes setzte Marlies Berndsen alle Hebel in Bewegung. Sie kämpfte und stritt in ihrer unnachahmlichen Art.
Aufrecht, überzeugend und mit lauter Stimme.

Ich zitiere unseren Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der anlässlich unseres 100- jährigen Jubiläums im Dezember 2015 in seinem Grußwort schrieb: „ Der Dortmunder Hausfrauenbund ist eine Erfolgsstory“.
Das Zentrum dieser Erfolgsstory war Marlies Berndsen.

Marlies Berndsen lernte bei ihrer Arbeit als Redakteurin den Deutschen-Hausfrauen Bund kennen, der in Dortmund einen seiner größten Ortsverbände hatte. 1954 wurde sie Mitglied. In diesem Verband fand sie gleichgesinnte junge Mütter. Sparsam mussten sie alle sein. Sie gaben gute Einkaufstipps untereinander weiter. Gemeinsam wollten sie es auch schaffen, dass es in den Restaurants Milch für Kinder gab. Oder Kinderteller, die damals noch nicht selbstverständlich waren.
Dass man nur in einer Gruppe etwas erreichen kann, wurde ihr schnell klar.
Als Clubleiterin für junge Frauen kam Marlies Berndsen in den Vorstand und wurde 1985 zur Vorsitzenden gewählt.
Dass Verbraucherarbeit und Umweltschutz nicht zu trennen waren, wurde ihr schnell bewusst. „Wer wenig Material verbraucht, spart nicht nur Geld, sondern schont auch die Umwelt“, sagte sie. Sie gründete den Arbeitskreis „Verbraucherschutz und Umweltfragen“ und initiierte die Aufnahme des Umweltschutzes – „soweit er den privaten Haushalt betrifft“ – in unsere Satzung. Sie machte sich durch Seminare sachkundig, war kritisch im Denken und begann ihren „Aufklärungsfeldzug“ zum Thema Umweltschutz.
So bewies sie u.a. mit der von ihr gestarteten Aluminium-Sammelaktion, dass ein Einzelner oder eine Einzelne viel bewegen kann. Sie rief Mitglieder dazu auf, Aluminium nicht in den Müll zu werfen, sondern der Wiederverwertung zuzuführen.  Fortan brachten Mitglieder Deckel von Joghurtbechern und Dosen mit zur Monatsveranstaltung. Diese Idee verbreitete sich schnell, und an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet wurden Sammelstellen eingeführt. Fast drei Tonnen Aluminium aus privaten Haushalten sind durch ihre Initiative recycelt worden.

Was war ihr Anstoß zu dieser Aktion? „Natürlich ist die eigene Betroffenheit immer eine besondere Motivation. So will ich die Umwelt ganz egoistisch für meine Enkelkinder schützen“, sagte sie.
Auch in anderen Bereichen war Marlies Berndsen in ihrem Engagement unermüdlich. So setzte sie sich für den Erhalt der Verbraucherzentrale ein, für behindertengerechte Zugänge zur U-Bahn und, kämpfte unermüdlich für die Erhöhung der Witwenrente.1985 gelang es ihr, mit Hilfe des Frauenbüros sogar, dass endlich auch Ehefrauen im Adressbuch aufgeführt wurden.
Marlies Berndsen war resolut und durchsetzungsstark, und für manche legte sie eine unbequeme Beharrlichkeit an den Tag, wenn es ihr um das Erreichen ihrer Ziele ging, zum Wohle der Verbraucherinnen und Verbraucher und vor allem für die Frauen in unserer Stadt.
Für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement wurde sie mit der Ehrennadel der Stadt Dortmund und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Marlies Berndsen meldete sich zu Wort. Sie hielt Vorträge, gab Zeitungsinterviews, wir alle konnten sie bei Fernsehauftritten erleben.
Sie brauste mit ihrem Motorroller durch die Stadt – von einem Einsatz zum nächsten.
Marlies Berndsen wurde nie müde, deutlich zu machen, welch hohe Anforderungen eine vernünftige Haushaltsführung stellt.
„Die Hausfrau von heute – egal ob in Teil- oder Vollzeit in diesem Beruf könnte ein hohes Ansehen genießen, wenn sie nicht durch mangelnde Bewusstseinsbildung ständig an diesem eigenen Bild kratzte“, sagte sie in einem Vortrag.
Nach 14 Jahren gab Marlies Berndsen1999 den Vorsitz im Dortmunder Hausfrauen-Bund ab, war aber weiterhin als „Ehrenvorsitzende“ in unserem Verband aktiv.
Ehrenamtlich und mit Begeisterung  arbeitete sie dann im  Kochbuch- und im HOESCH-Museum.  
Ihrer außerordentlichen Begabung Texte zu verfassen, und ihrem Einsatz dabei, die Geschichte unseres über 100 jährigen Verbandes aufzuarbeiten, verdanken wir eine umfassende Chronik, die mehrere Ordner füllt.
In unserem Mitteilungsheft berichtete sie zudem regelmäßig über  Veranstaltungen und aktuelle Geschehnisse. So auch über unsere Generalversammlung am 05. Februar dieses Jahres, bei der sie die Wahlleitung übernahm. Ihren Bericht unter dem Thema „Rückblick und Bestandsaufnahme“,  verfasste sie kurz vor ihrem plötzlichen Tod.
Liebe Marlies Berndsen, mit Ihnen hat unser Verband eine Zeitzeugin verloren, eine Kämpferin für unsere Interessen und eine große Persönlichkeit, die unmittelbar mit dem Deutschen Hausfrauen-Bund verbunden ist.
Danke für alles. Wir werden sie vermissen.

Doris Kischel                                                                                                                                                                                                                                                                                  

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